Kleine Psychologie

Für Training und Turnier

Merke:

Es lässt sich überhaupt nichts erzwingen – man verkrampft nur und hinterlässt dem Gegner Stellungen, wenn man zu risikoreich spielt.

Man soll stets das tun, was ganz allgemein angebracht ist: Vernünftig spielen.

Die Checkpunkte welche stets und ständig abgearbeitet sein sollten:

 – Was ist mit Konter?

 – Nachdem alles so weit eingerichtet ist : “Wie fühlt sich das an – habe ich eine positive Rückmeldung?”

 – Die „Zen-Pause“ kurz vor dem Abstoß: Sich nochmals versenken und den genau richtigen Zeitpunkt abwarten.

 – Beim Abstoß selbst: Nur geradeaus nach vorn stoßen, sorgfältig aber doch entspannt – und so den richtigen Antreffpunkt an B2 bewirken, wobei man den Lauf des Spielballs zu Ball 2 und das Antreffen dort visuell verfolgt.

 

Randbemerkung eines Spitzenspielers dazu:
“Man hat mir das von Anfang an geraten und ich habe das immer beherzigt, den Stoß stets gut nach vorne herauszuziehen. Das dürfte mit ein Grund für meinen vorbildlich geraden Stoß sein.“

Statistik des eigenen Spiels

Wenn man eine schlechte Partie gespielt hat, lag es meist nicht nur am Ansatz sondern es ist immer wieder auffällig, wie viele (irgendwie) machbare Bälle man tatsächlich leider doch ausgelassen hat.
Von den nicht gemachten, jedoch machbaren darf man bei der Beurteilung allerdings diejenigen abziehen, die relativ schwierig waren, technisch einwandfrei gestoßen wurden, zum Schluß jedoch um nur 1 mm vorbei gingen.
Andererseits müsste man die Füchse hinzuzählen, wenn man ein objektives Bild haben will.

Merkverse:

 1. Denke bei jedem Ball: “Der ist ja machbar”.
 2. Was machbar ist, muss auch gemacht werden!
 3. Pool / Dreiband ist ein Serienspiel!

Welche Bälle dürfen als schwierig gelten?

 – Lange Distanz zu B 2, vor allem wenn letzterer nicht halbvoll getroffen werden darf und/oder press bzw. sehr nah der
Anspielbande steht.

 – B 1 und/oder B 2 press (oder sehr nah) an der Abspiel- resp. Anspielbande.

 – Nicht problemlos auszuschaltende Kontergefahr.

 – Technische Schwierigkeit: Dreibänder, Gewalt-Zugbälle und -Nachläufer.

Wenn diese Besonderheiten nicht vorliegen, ist der Ball – egal wie kompliziert die Lösung ist – machbar und sollte
auch gemacht werden!

 „Sensibler“ Stoß – kann zwar eine gewisse Erschwernis bedeuten, sollte aber dem fortgeschrittenen Spieler kein besonderes Probleme bereiten.

Die Ambivalenz der eigenen Serie

Selbstverständlich muss man bemüht sein, möglichst viele Bälle nacheinander zu machen und die Serie, soweit es irgend geht, nicht abreißen zu lassen – man darf aber dennoch nicht den Zeitpunkt verpassen, wo es geraten ist, (auch) auf strenge Verteidigung zu spielen.

Für den Mitspieler ist nämlich nichts frustrierender, als wenn Sie eine Serie abgeliefert haben und er selbst anschließend vor einer kaum lösbaren Aufgabe steht. So können Sie sich auf Ihrem Vorsprung etwas “ausruhen” und in weiteren Anläufen versuchen, ihn auszubauen, anstatt dass Sie Ihrem Gegner sofort den Einstieg liefern, seinerseits mit einer Serie zu kontern.

Mangelndes Durchstehvermögen

Nicht wenige Spieler leiden darunter, das sie nach gutem Start abbauen, oder umgekehrt sich nach schlechtem Beginn gar nicht fangen können.

Dafür kann dieser Tip hilfreich sein:
Unterteilen Sie eine Partie für sich persönlich in jeweils 3 Aufnahmen. Lief es bis zur jeweiligen Marke gut, sollten Sie das abhaken und die nächsten 3 Aufnahmen  mit neuem Kick angehen, um frisch und hungrig zu bleiben – Lief es bis dahin nicht gut, fangen Sie den nächsten Abschnitt mit neuem Mut an, ohne die Frustrationen der 1. Abteilung weiter mit sich zu schleppen.

Vermeiden Sie den „Alibi-Stoß“
Das heißt: Bei problematischen Dessins sollen Sie nicht nur pro forma irgendwie in die Nähe des gewünschten Loches spielen – sondern immer mit der Absicht vorbereiten und abstoßen, den Ball auch wirklich zu versenken.

Einige Ratschläge

Wie soll man dem Stress begegnen – wie kann man seine Angst bekämpfen?

 

Es gibt mehrere Bewältigungs-Methoden.

 1. Modern
“Nehmen Sie den Stress als Herausforderung an! Erleben Sie ihn als motivationsfördernd! Freuen Sie sich über das intensive Erleben! Sehen Sie es als bejahenswerten Kick an!”

 2. Konservativ
“Bemühen Sie sich darum, Ihre eigene emotionale Beteiligung völlig auszuschalten. Stellen Sie sich vor, Sie seien hier nur dazu da, um eine Ihnen gut bekannte Geschäftstätigkeit sorgfältig durchzuführen. Für mehr können Sie nicht garantieren und mehr kann man auch nicht von Ihnen erwarten.”

 3. Verhaltenstherapeutisch
„Das Wichtigste ist, dass Sie sich den angstauslösenden Situationen möglichst oft stellen. Spielen Sie also so viele Turniere, wie nur eben möglich.“

 4. Entspannungsmethoden
„Erlernen Sie psycho-muskuläre Relaxations- und Atemtechniken, die Sie außerhalb aber auch während der Partien anwenden sollen.“

 5. Werden Sie ein besserer Spieler
„Wenn Sie das verinnerlichte Bewusstsein besitzen, sich theoretisch und praktisch im Pool / Dreiband wirklich gut auszukennen, stärkt das Ihr Selbstbewusstsein und ihre Gelassenheit.“

Was davon ist richtig?
Die Punkte 3 – 5 auf jeden Fall.
Kritisch wird es bei Wahl zwischen 1 und 2. Hier hängt es von Ihrer persöhnlichen Veranlagung (und möglicherweise vom Geschick eines Psychologen) ab, welche Methode speziell für Sie die besssere Ergebnisse bringt.

Nie vergessen!

Vor dem endgültigen Abstoß sollte man immer die Frage stellen:
„Wie fühlt sich das an, wird der Ball so wohl kommen?“
Beachte: Für die Verinnerlichung dieses Gefühls müssen Sie sich genügend Zeit lassen!

Ist die Rückmeldung positiv: o.K. und auf gehts.

Was aber wenn nicht?
Hier müssen Sie unterscheiden:

Ist die Abweichung doch größer oder handelt es sich um die Antreffdicke (!) an B 2, sollten Sie unbedingt absetzen
und die Vorbereitung (Stand!) neu beginnen.

Tisch-Prüfung

Wenn Sie vor dem Spiel einer fremden Tisch prüfen, gibt es dafür eine Reihe von empfehlenswerten Standard-Dessins.

Empfehlenswert ist aber auf jeden Fall:
Prüfen Sie zusätzlich, ob der Tisch bei den „Short-Angle-Tracks“ (Verlängerungslinien der kleinen Rundbälle) und den Doppelrundbällen in der einen Richtung eher kürzt und in der anderen (um 180° gedreht) eher längt. Das kann aber muss nicht unbedingt mit der Schur zusammenhängen. Die Abweichungen können derart auffällig sein, dass das Gelingen oder Mißlingen solcher Dessins ohne weiteres davon abhängig ist.

Zielen und gerader Stoß

Wir wollen eine einfache und natürliche Methode vorstellen, die sich nicht speziell mit Ziel-Linien, B1- und B2- Antreffpunkten u. ä. herumschlägt. Man geht so vor:

 1. Zunächst überlegt man, wie der Spielball den Ball 2 treffen soll, d. h. welche genaue Position der B 1 im Moment seiner Berührung mit B 2 einnehmen wird (B1 als ”virtueller” Spielball an B2).

 2. Beim Vorschwingen visualisiert man sodann, wie der Spielball sich insgesamt von der Qeuespitze löst, zu Ball 2 hin läuft und dort die gewünschte Impact-Position einnimmt.

Visualisieren heißt, sich den Ablauf der zukünftigen Ereignisse so lebhaft wie möglich vorzustellen, vor seinem inneren Auge Gestalt annehmen zu lassen. Ob man das Vorschwingen zunächst ohne Seiteneffet angeht und dies erst im zweiten Anlauf durch Parallelverschiebung der Queuespitze bewirkt – oder ob man das Seiteneffet gleich mit Beginn des Zielens ansetzt, ist individuell.

 3. Beim Stoß selbst bemüht man sich nur noch darum, exakt das Gleiche wie bei Pkt 2 beschrieben in die Tat umzusetzen und komplett mitzuerleben (!).

Oft ist es doch leider so, dass irgendwann während des Stoßes (meist beim Umschalten vom Rückschwung zum Vorstoß) die Kontrolle über das, was da vor sich geht, verloren wird. Es entsteht sozusagen ein blinder Fleck. Dadurch kann es passieren, dass man die Linie verreißt bzw. unterbewusste und eigentlich ganz ungewollte “Korrekturen” vornimmt. Die vorgeschlagene Methode ist hilfreich, um die “Lücke” nicht entstehen zu lassen sondern die gesamte Bewegung – vorweg und den Stoß begleitend – von A bis Z mit zu erleben und zu dirigieren.

 4. Spieler, denen es schwer fällt, konstant und bewusst die Ballmenge von B2 zu “sehen”, können folgendes versuchen – die „Pause“:

 Nach dem letzten Vorschwinger, also unmittelbar vor dem Abstoß, ziemlich lange, etwa 1 bis 2 Sekunden, nur auf B2 schauen – dabei die Queuespitze ohne Bewegung direkt vor B1 “parken”. Den Ball 1 und seine Projektion auf Ball 2 hat man dabei gleichzeitig mit im Blick.
Dann, ohne Blickänderung, so abstoßen, wie unter Pkt. 2 und 3 beschrieben. Allerdings kann dies Vorgehen wegen möglicher Nackenverspannung ziemlich belastend sein. Üben hilft!

Psychologie der Stoßrichtung

Unbeabsichtigte Änderungen der Stoßrichtung im letzten Moment kommen gar nicht so selten vor.

 1. Eine der Ursachen kann darin liegen, dass der Spieler mit einer gewissen Präferenz abstößt, zum Beispiel so:
“Ich möchte – bei diesem langen Bball – auf gar keinen Fall, dass der Ball 1 zu kurz läuft” – und dann stößt er, anstatt wie gewollt genau halbvoll, nur noch 3/8 und merkt das nicht einmal.

 2. Eine weitere Ursache ist die Kontergefahr, auch und gerade wenn sie dem Spieler gar nicht richtig bewusst ist. Das Unterbewusstsein ändert die Stoßrichtung von sich aus derart, dass der Konter zwar vermieden wird, aber leider wird dann oft auch die Karambolage / das Einlochen verfehlt.

 3. Die Linie der Queuespitze auf der einen Seite und die Linie von B1 (seine Mitte oder ggf. auch seine Kante, s. u.) zum anvisierten Treffpunkt an B2 andererseits können sich gegenseitig stören.

Deshalb ist für manche Spieler der Ratschlag hilfreich, zum Schluss nicht speziell auf die Linie der Queuespitze zum Antreffpunkt an B 2 zu fokussieren sondern sich im wesentlichen darum zu bemühen, einfach nur geradeaus nach vorne zu stoßen.

Zielen mit der Queuspitze ist den meisten Spielern nur für den Fall zu empfehlen, dass B 1 zentral (ohne Seiteneffet) genommen wird.

Wenn man Seiteneffet gibt, besteht immer die Gefahr, dass die Richtung der Queuespitze einerseits und die vorgestellte Linie von B1-Mitte (bzw. -Kante) Zielpunkt an B2, bzw. die “Gesamtprojektion B1 – B2″ sich gegenseitig stören.
Selbst beim Ohne-Effet-Stoß kann es vorteilhaft zu sein, zwecks “Projektion von B1 auf B2” besser doch die Mitte der Oberkante des Spielballs und nicht die Queuespitze zum Zielen zu wählen.

Zielen mit der seitlichen Kante von B1
Kann man damit unter Umständen noch bessere Ergebnisse erzielen? Zum Beispiel so:

Ich will B2 halbvoll treffen, ziele dementsprechend mit der Oberkanten-Mitte von B1 an die Außenkante von B2. Dabei sehe ich, wie sich die Außenkante des Spielballs auf den Mitte-Punkt in B 2 projiziert. Diese Linie “Kante B 1 auf fixierten Punkt in B 2” will ich nun beim Stoß selbst “beibehalten”.
Alternativ kann man auch beide Linien (Mitte und Kante von B1 ) als Parallelen verinnerlichen – womit man der Vorstellung vom “virtuellen Spielball im Moment der Berührung mit B 2” sehr nahe kommt.
Das Seiteneffet und die Queuespitze sollten nach dem endgültigen Einrichten “vergessen” werden. Man realisiert nur noch die parallele Vorstoßrichtung nach vorne, um den Spielball in der richtigen Position “an” B 2 zu bringen.

Warnung

Ich möchte wiederholen, sich nach Möglichkeit überhaupt nicht mit Details des Zielens eingehender zu beschäftigen.

Sie sollten das nur dann tun, wenn Sie echte Probleme haben, die Sie mit einfachen Methoden (bessere Vorbereitungs-Routine und Konzentration, Stoßqualität) nicht in den Griff bekommen.
Sie müssen sich darüber klar sein, dass genaue Analysen und Bewusstmachung auch im besten Fall nur ein Zwischenstadium darstellen dürfen.
Wenn die Sache wirklich gut klappen soll, müssen Sie später all das wieder “vergessen” und letztlich aus dem Bauch heraus spielen.

Als Quelle dieser Weisheiten diente mir u.a. Dreiband Training

to be continued…